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23.09.2015 09:18 Alter: 2 yrs
Kategorie: AGZ-Aktuelles

Das war die AGZ-Fachtagung… und jetzt geht’s so richtig los!


Regionalentwickler progressNETZ hat konkrete Pläne und strebt landesweit agierendes Informationszentrum für AGZ an

Herrlicher Sonnenschein und wohlige Temperaturen haben die AGZ-Fachtagung am 16. September mit Blick auf die Landeshauptstadt St. Pölten begleitet. Im Mittelpunkt stand jedoch nicht ein wolkenloser Spätsommertag im Kulinarium Kuefstein, sondern das Beschäftigungsmodell Arbeitgeberzusammenschluss, welches im Rahmen einer hochkarätig besetzten Fachtagung vom Regionalentwickler progressNETZ, seinen Projektpartnern sowie europäischen ArbeitsmarktexpertInnen vorgestellt wurde. 

Die Bedeutung der ersten AGZ-Fachtagung in Niederösterreich wurde einerseits damit zum Ausdruck gebracht, dass weit über 130 TeilnehmerInnen aus ganz Österreich sowie Südtirol an der Veranstaltung teilgenommen haben. Auf der anderen Seite natürlich auch in personam von Herrn Bundesminister Rudolf Hundstorfer, der nicht nur als Besucher an der Fachtagung teilnahm, sondern auch die Begrüßungsworte ans Auditorium richtete sowie einen kleinen Ausblick auf eine mögliche AGZ-Landschaft in Österreich wagte.

Die Veranstalter zeigten sich von Anbeginn begeistert vom Interesse seitens der TeilnehmerInnen, die aus Nah und Fern nach St. Pölten angereist waren. Besonders auffällig war, dass es sich bei den BesucherInnen um einen „bunten Mix“ aus verschiedenen Branchen bzw. VertreterInnen von Interessensverbänden sowie Leader- und Regionalmanagements, Geschäftsführern, Personalisten, NGOs sowie Vereinen handelte. Allen war gemein, dass sie mehr über das AGZ-Modell erfahren wollten. Das untermauert gleichsam die These vom Regionalentwickler progressNETZ, dass nämlich der Arbeitgeberzusammenschluss das derzeit spannendste arbeitsmarktpolitische Modell ist, das nicht nur neue, vorwiegend abgesicherte Vollzeit-Arbeitsplätze schafft, sondern auch den österreichischen Wirtschaftsstandort sowie die regionalen Strukturen vor Ort stärkt.

Einen ersten Überblick, wie sich das AGZ-Modell in der Praxis bewährt hat, zeigten Projektleiter Alexander Szöllösy sowie Projektpartner Josef Weidinger. Beide haben ihre praktischen Erfahrungen aus 2 ½  Jahren im Rahmen des vom Sozialministerium finanzierten Projekts „Zukunftsmodell Arbeitgeberzusammenschluss – Moderne Personalentwicklung in Regionen“ mit den FachtagungsteilnehmerInnen geteilt und zugleich dargestellt, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass sich Österreichs derzeit einziger Arbeitgeberzusammenschluss – der AGZeins – so erfolgreich entwickeln konnte. Zehn Pioniere aus St. Pölten, Melk, Ober-Grafendorf und Rabenstein/Pielach haben aufgrund der Entwicklungen am Arbeitsmarkt bzw. im Personalmanagement erkannt, dass eine kooperative Personalteilung, über den AGZ, eindeutig eine Reihe an Vorteilen für die Unternehmen bringen. Dass bereits weitere vier Betriebe aus der Region ihr Interesse an einer AGZ-Mitgliedschaft angemeldet haben, wurde ebenfalls nicht verschwiegen.

Im Prinzip, so die Projektverantwortlichen, sind es fünf Phasen, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer erfolgreichen AGZ-Gründung führen. Dass jede Phase für sich viel Vorarbeit und Akribie benötigt, wurde seitens Szöllösy und Weidinger deutlich zum Ausdruck gebracht. Schlussendlich zahlt es sich jedoch mehrfach aus, ein wenig Zeit in den AGZ-Aufbau zu investieren, um in weiterer Folge die Vorteile aus dem Modell generieren zu können – als da wären: flexiblen MitarbeiterInnen-Einsatz, Kostenteilung, Risikominimierung, bestmögliche Abdeckung der Spitzen, Ausgleich bei saisonalen Schwankungen sowie Kostenwahrheit.

Wie der Arbeitgeberzusammenschluss als Beschäftigungsmodell gegenüber anderen Beschäftigungsformen in Europa abschneidet, wurde im Anschluss von Frau Irene Mandl von Eurofound aus Dublin dargelegt. Als Arbeitsmarktexpertin in der vergleichenden sozioökonomischen Forschung hat sie vor wenigen Wochen eine Studie im Auftrag der Europäischen Kommission fertiggestellt, die den AGZ mit anderen Arbeitsmodellen anhand verschiedener Kriterien verglichen hat. 

Mit ihrer Präsentation „Arbeitswelt im Umbruch – Der AGZ als Modell für Beschäftigung“ konnte sie exakt darstellen, wo die Vorteile des AGZ-Modells liegen und warum der Arbeitgeberzusammenschluss punkto Arbeitsbedingungen an der Spitze der Skala steht. Neben den Vorteilen für die Beschäftigten sowie für die Betriebe hat Irene Mandl auch auf die potenziellen Auswirkungen einer AGZ-Implementierung in der Region hingewiesen – dazu zählen: Arbeitsmarktstabilität, Arbeitsmarktintegration, hohe Qualität der Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen sowie die Attraktivität als Wirtschaftsstandort.

Exakt diese positiven Erfahrungen werden seit vielen Jahren, genauer gesagt seit Mitte der 1980er Jahre, in Frankreich gemacht. Dort ist es gelungen das AGZ-Modell in weiten Teilen des Landes zu etablieren. Niemand geringerer als France Joubert, seines Zeichens einer der Mitbegründer des AGZ-Modells sowie Präsident des Europäischen Ressourcenzentrums für Arbeitgeberzusammenschlüsse CERGE, hat den erfolgreichen Weg des AGZ in seinen Etappen skizziert – und damit auch gezeigt, welches Potenzial im Arbeitgeberzusammenschluss steckt.

Aktuell werden derzeit über 30.000 Mitgliedsbetriebe in mehr als 5.000 AGZ mit über 35.000 Beschäftigten in Frankreich gezählt. Dabei erzielen die Arbeitgeberzusammenschlüsse an die 680 Millionen Euro Jahresumsatz. Diese eindrucksvollen Zahlen werden zudem mit dem Faktum untermauert, dass in einigen Regionen Frankreichs Arbeitgeberzusammenschlüsse sogar den – an Arbeits- sowie Fachkräften bemessen – bedeutendsten Beschäftiger vor Ort darstellen. So etwa in der französischen Landwirtschaft, wo mittlerweile 10% aller ArbeitnehmerInnen über Arbeitgeberzusammenschlüsse beschäftigt sind – Tendenz steigend!

Diese beeindruckenden Eckdaten sind auch im Nachbarland Deutschland mit sehr großem Interesse wahrgenommen worden – mit dem Endeffekt, dass Sigrid Wölfing (tamen – Entwicklungsbüro Arbeit und Umwelt) und ihr Team aus AGZ-Evangelisten das Beschäftigungsmodell Anfang der 2000er Jahre nach Deutschland transferiert und am Aufbau einiger Arbeitgeberzusammenschlüsse mitgearbeitet haben. Vor allem im Osten von Deutschland, wo strukturschwächere Regionen liegen und sich der Fachkräftemangel besonders stark zeigt, hat der Arbeitgeberzusammenschluss bereits Fuß gefasst.

Anhand konkreter Beispiele aus unterschiedlichen Arbeitgeberzusammenschlüssen (Spreewald, Rügen etc.) konnte Sigrid Wölfing, die auch Vorsitzende des Bundesverbandes für Arbeitgeberzusammenschlüsse in Deutschland ist, aufzeigen, welche positiven Einflüsse AGZ vor Ort mit sich bringen: sei es die sukzessive Verhinderung der Abwanderung von Arbeits- und Fachkräften, die Stärkung der Unternehmen durch Kompetenzzufuhr oder die Attraktivierung der Betriebe durch abwechslungsreiche und langfristige Jobangebote – Stichwort „employer branding“. Wenngleich die AGZ-Ausdehnung in Deutschland noch auf wenige Regionen beschränkt ist, sehen die politischen Entscheidungsträger auf Landes-, aber auch Bundesebene im AGZ-Modell ein vorteilhaftes Beschäftigungsinstrument, welches hohes Potenzial besitzt und auch dementsprechend mit guten rechtlichen Rahmenbedingungen auszustatten ist.

Apropos AGZ-Potenzial, dieses attestierten Wolfgang Wutzl, Gerhard Teufner sowie Erwin Nolz – allesamt Geschäftsführer von AGZeins-Betrieben – auch Österreich. Im Rahmen eines von Leo Baumfeld (ÖAR Regionalberatung) moderierten Round Table Gesprächs haben sie sich positiv über die betriebsübergreifende Zusammenarbeit im Personalwesen geäußert und auch die Vorteile für ihre Unternehmen dargestellt. Gerade beim „Kampf um die besten Köpfe“ ist es wichtig, an der Spitze zu stehen, um seinen Bedarf an Arbeitskräften bestmöglich abdecken zu können. Denn nur mit gut ausgebildetem und motiviertem Personal können die Betriebe KundInnen gewinnen und somit erfolgreich am Markt agieren.

Mit Schilderungen aus der täglichen Praxis konnten Wutzl, Teufner und Nolz aufzeigen, welcher Aufwand bzw. welche (oft versteckten) Kosten nachhaltiges Personalmanagement eigentlich mit sich bringen. Hier an einen AGZ auszulagern, der sich professionell und ohne bürokratischen Aufwand um die Personalagenden für seine Mitglieder kümmert, ist für die AGZeins-Betriebe eine Entwicklung, die in den nächsten Jahren noch stärker in Erscheinung treten wird. Daher sind alle drei davon überzeugt, dass demnächst weitere AGZ in Österreich entstehen werden.

Dieser Meinung können sich auch Alexander Szöllösy und Leo Baumfeld anschließen, die abschließend einen Blick in die AGZ-Zukunft geworfen haben. Mit der Absichtserklärung das Modell Arbeitgeberzusammenschluss flächendeckend in Österreich zu implementieren, wurden erstmals coram publico die Pläne von progressNETZ uns seinen Projektpartnern Leo Baumfeld und Josef Weidinger aufgezeigt.

Somit bildete die Fachtagung gleichsam auch den Startschuss für weitere, zielorientierte AGZ-Aktivitäten, allen voran die Etablierung eines österreichweit agierenden AGZ-Ressourcenzentrums, wo sämtliches theoretisches und praktisches Wissen rund um den Arbeitgeberzusammenschluss gebündelt und an interessierte Stakeholder (Leader- und Regionalmanagements, Arbeitsmarktservice, Sozialpartner, Personalisten, Unternehmen unterschiedlicher Branchen, Vereine und NGOs sowie Berufsverbände etc.) weitergegeben wird – mit der Absicht, neue AGZ aufzubauen und eine flächendeckende AGZ-Landschaft in Österreich zu entwickeln.

Nach drei Stunden und einer Fragerunde durch das Publikum ging die erfolgreiche und informative AGZ-Fachtagung in ein Come Together mit persönlichen Gesprächen über. An dieser Stelle sei erwähnt, dass progressNETZ und seine Partner als AGZ-Schnittstelle für weitere Aktivitäten zur Verfügung stehen und InteressentInnen beim Aufbau sowie der Umsetzung von Arbeitgeberzusammenschlüssen vor Ort unterstützt.

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Links:
Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
AMS Niederösterreich
Centre de ressources pour les groupements d'employeurs
tamen.Entwicklungsbüro Arbeit und Umwelt GmbH
Eurofound
AGZeins
progressNETZ - Netzwerk für regionale Entwicklung
ÖAR Regionalberatungs GmbH
Josef Weidinger - Eventmanagement & Marketingberatung